Frau Irmgard Wolf schrieb im August 1942 die folgenden Zeilen nieder:

"Zur Erinnerung an meine Schulzeit!

 Ab 01. April 1928 ging ich in die 8-stufige Pestalozzischule zu Neukirch-Lausitz Niederdorf. Unser Lehrer war die ersten zwei Schuljahre Herr Willy Schmidt. Er brachte uns die ersten Schriftzüge und Buchstaben bei. Mit viel Humor hatte er uns Neulingen auch bei Zeiten das Ruhigsitzen gelernt. Da er ein großer Naturfreund war, sind wir mit ihm sehr viel gewandert. Es hat uns natürlich besonderen Spaß gemacht, unsere schöne Umgebung kennen zu lernen.

 Frl. Eißler war in den folgenden zwei Jahren unsere Klassenlehrerin geworden. Bei ihr sind wir ebenso gern zur Schulstunde gegangen, nur das Wandern hat uns gefehlt, sie war gesundheitlich verhindert (lahmes Bein). Das haben wir aber in den folgenden zwei Jahren bei Herrn Willy Schmidt wieder nachgeholt.

 Unser Klassenlehrer im vorletzten Jahre war Herr Freiberg. Vor ihm hatten alle etwas mehr Achtung. Er war besonders streng, benutzte öfters den Rohrstock und manchen von uns war das eine Warnung. Trotz allem aber haben wir bei ihm sehr viel gelernt, besonders ist wohl Geschichte zu betonen, das erteilte er am liebsten.

 Herr Schulleiter Max Richter hatte unsere Klasse im letzten Jahre übernommen und versuchte uns das beste aus der Volksschule mit auf den Weg des späteren Lebens zu geben. Was ihm auch gelungen ist. 

Als besonderer Held in diesem Jahr ist Herr Rafeld zu nennen. Er gab uns Religion, sein Lieblingsfach, für uns die langweiligste Stunde der ganzen Woche überhaupt. Er konnte doch mit dem „Mythos des 20. Jahrhunderts“ und noch ähnlichen Werken nicht fertig werden. So etwas interessierte uns alle nicht.

 So wurden wir also im Frühjahr 1936 aus der Volksschule entlassen und ein jeder hat wohl bedauert, dass die schöne Schulzeit vorbei ist. Es hat uns jederzeit Spaß gemacht, auch wenn manchmal nachgesessen werden musste. 

Anschließend besuchte ich ein Jahr die Verbandsberufsschule „Mittellausitzer Grenzland“ zu Schirgiswalde, wo ich auch an der Handelsklasse teilnahm.

 Da ich zum Pflichtjahr nach Bischofswerda vermittelt war, musste ich die Schule wechseln und zwar kam ich nach der „Verbandsberufsschule Bischofswerda“. Das habe ich sehr bedauert. Dort fehlte es besonders an Lehrkräften. Sehr primitiv war auch die Küche eingerichtet, was ich von Schirgiswalde gar nicht gewöhnt war. Da war doch in jeder Anrichte das was man zum Kochen braucht, prima Herde usw., kurz gesagt: erstklassig in Ordnung.

Im ganzen Lehrsystem war die Schule Bischofswerda hinterher, so dass ich dort nicht mehr viel dazu lernen konnte.

 1938 wurde ich mit Abschluss meines 10. Schuljahres aus der Schule entlassen.

 Ich kann nur sagen: 

Die Schulzeit ist doch eine schöne Zeit, 

nach der ich mich schon oft zurück gesehnt habe."