Die von Huldenberg

 Graf Daniel Erasmus von Huldenberg kaufte am 8. Juli 1723 vom Freiherrn von Stein die Rittergüter Ober- und Niederneukirch für den Gesamtpreis von 95 000 Thalern.  Am 13./6. 1727 erhielt derselbe auch den Jungfernwald, der seit der streitigen Lehensapertur ein besonderes Erb- und Allodiallehen bildete, zu Erbe gereicht .

Dieser erste der Neukircher Huldenberge  war geboren am 4. April 1660. Er bekleidete nachmals unter dem Titel eines geheimen Rats den Rang eines Kgl. Großbrit. und Kurfürstl. Braunschwei-Lüneburgischen außerordentlichen Gesandten am kaiserlichen Hoflager zu Wien, in welcher Eigenschaft er das Zepter dreier Kaiser, Leopolds I., Josefs I. und Karls VI. walten sah. Diese überhäuften ihn mit Gunstbeweisen.  Leopold erhob ihn am 22. Jan. 1698 in den rittermäßigen Adelsstand und verlieh ihm am 3. Juni 1701 den Grafentitel.  Karl VI. ernannte seine Nachkommen am 11. April 1712 zu Freiherren.  Gelegentlich der Krönung des letzteren in Preßburg wurde dem Grafen Huldenberg auch die Ernennung zum ungarischen Magnaten mit dem Indigenatsrecht zu teil.  Ingleichen nahm ihn die unmittelbare schwäbisch-fränkische Reichsritterschaft (laut Patent d. d. Münsterhausen d. 15. Dezemb. 1721) in ihr Konsortium auf.  

Er hatte sich zweimal vermählt.  Seine erste Gemahlin war Maria Katharina Franziska de Willy aus Tirol, die andere eine verwitwete von Schleinitz geb. v. Ponickau.  Die Lieblingsbeschäftigung seiner Mußestunden bildete die Schriftstellerei.  

Reich an Ehren verließ er im August 1731 Wien, um seine letzten Lebenstage in Neukirch zu verbringen.  Hier starb er am 17. März 1733, nachdem er das von seinem Vorgänger begonnene Werk des Kirchenbaus eifrig weiter gefördert hatte.  Unter seiner Büste in dem von ihm erbauten Gotteshause zu Neukirch besagt eine Gedächtnistafel:

 

DANIEL ERASMUS AB HULDENBERG

S. R. J. LIB: BAR: BANNER: ET NOB: DN:

EQUES NOBILIT : IMMED : SUEVIAE FRANC:

ET RHENI REGNI HUNGAR: MAGNAS

HEREDITARIUS IN SUP: ET INFER : NEUKIRCH

ET WARTHA ERN : AUG : GEORG : I ET II

REG: M. BRIT. ET ELECT : BRUNSV : LUNEB :

IN AULA TRIUM IMPERATORUM

LEOPOLDI JOSEPHI ET CAROLI VI .

MINISTER PUBL: ET ABLEG: EXTRAOR: PER ANNOS XL

NATUS IV. APRIL : MDCLX

DENATUS XVII. MART : MDCCXXXIII.

 

Aus erster Ehe hinterließ Graf Huldenberg vier Kinder: Maria Franziska (vermählt an den Grafen Johann Josef Zaruba von Hustizan in Böhmen),  Maria Karolina, Maria Anna und Georg Ludwig Ersasmus Freiherr von Huldenberg (geb. in Wien d. 3./6. 1701), Kgl. Großbrit. u. Kurfürstl. Braunschw.-Lüneb. geh. Legationsrat in Celle, vermählt d. 4./8. 1723 mit Auguste Luise v. Rex auf Kreischa  (geb. d. 20./11. 1704,  † d. 20./4. 1744).  Schon vor dem Tode des Vaters verzichtete letztgenannter auf seine staatlichen Dienste und nahm in Neukirch ständigen Aufenthalt.  Unter seiner Fürsorge wurde der Kirchen- und Turmbau vollendet.  Der Strahlenkranz über dem Portal des Turmes erinnert an seinen Namen mit den Initialen der Inschrift:

Glorie, Lob, Ehr’ Und Herrlichkeit!“

 Der tiefe Schmerz über den frühzeitigen Verlust seiner geliebten jugendlichen Gemahlin3) bewog ihn, den Gedanken an eine Wiederverehelichung aufzugeben.  Der kurzen Ehe waren sechs Kinder entsprossen: 1. Karl Ersamus (geb. d. 3./6. 1724, † d. 7./2. 1777): 2. Christian Ludwig (geb. d. 29./10. 1725, † d. 25./7. 1747); 3. Friederike Luise Dorotee (geb. d. 14./5. 1729, † 1730); 4. Auguste Karoline (geb. d. 14./8. 1734);  5. Rudolf Gottlob (geb. d. 29./5. 1736, † d. 10./10. 1790) und 6. Heinrich Friedrich (geb. d. 3./8. 1737, † 1761). ―  Im Jahre 1760 übergab Georg Ludwig Erasm. v. Huldenberg die Güter vorgenanntem seinem ältesten Sohne, um das Ende seiner Tage in christlich stiller Beschaulichkeit zu erwarten.   Da mußte der greise Mann den Schmerz erleben, dass der einzige Sohn, der den Stamm fortpflanzte, noch vor ihm ins Grab sank und eine untröstliche Witwe nebst fünf unerzogenen Kindern hinterließ.  Noch im selbigen Jahre bettete man auch ihn auf die Bahre. Er starb am 19. September 1777 im alter von 76 Jahren.

Der ihm vorangegangene Sohn Freih. Karl Erasmus von Huldenberg, Kurfürstl. sächs. geheimer Kriegsrat, hatte, nachdem er als Major der sächsischen Karabiniergarde in den Schlachten von Striegau und Kollin mitgefochten, im Mai 1760 der militärischen Laufbahn entsagt und die Bewirtschaftung der Güter zu Neukirch angetreten. Er war vermählt mit Erdmute Henriette verw. von Leipziger geb. v. Lüttichau a. d. Hause Ullersdorf.  Im Alter von 52 Jahren erlag er am 7. Febr. 1777 einem heftigen Gallenfieber, während seine gesamte Familie an den Pocken krank darniederlag.   Die ihn überlebenden fünf Kinder waren: 1. Karoline Franziska Henriette (geb. d. 28./12. 1770, vermählt mit Hauptmann von Oppen auf Frödersdorf in der Mark, † d. 17./4. 1840); 2. Auguste Friederike Wilhelmine (geb. d. 17./2. 1772, vermählt mit Amtshauptmann von Heynitz auf Weicha und Königshain); 3. Jeanette Charlotte Marianne (geb. d. 18./4. 1774, † d. 7./1. 1796 unvermählt); 4. Gottlob Erasmus Kurt (geb. d. 17./6. 1775, † d. 4./5. 1812); 5. Wilhelmine Luise Eleonore (geb. d. 7./12. 1776, vermählt d. 11./8. 1802 mit Wolf Friedr. Freih. v. Rechenberg auf Oberhalbendorf.) 

Die verwitwete Baronin reichte am 18. Septemb. 1786 dem einzigen noch lebenden und ledig gebliebenen Bruder ihres verstorbenen Gemahls, dem K. K. Major, Freih. Rudolf Gottlob v. Huldenberg die Hand. Der Tod entriß ihr aber nach vierjähriger Ehe auch diesen ihren dritten Lebensgefährten. Bald darauf am 21. Mai 1797 wanderte auch sie ins Reich der Schatten. 

Ihr Sohn, mit dessen Tode der Stamm von Huldenberg erlosch, Freiherr Gottlob Erasmus Kurt v. H.,  übernahm, nachdem er auf der Leipziger Hochschule 1797 – 98 die Rechte studiert hatte, seine väterlichen Güter Neukirch und Wartha, veräußerte aber letztere Besitzung bald darauf.  1799 wurde er zum Assessor bei der Landesregierung in Dresden, 1807  zum Landesältesten des Budissinischen Kreises sowie zum Kgl. sächs. Hof- und Justitienrat ernannt bez. erwählt. Sein edles, menschenfreundliches Herz, das die Wünsche seiner Gemeinde allerseits zu erfüllen bemüht war, wie seine reichen Vermächtnisse, mit denen er in seinem letzten Willen (d. d. Budissin d. 2. Mai 1812) Kirche, Schulen und Armut zu Neukirch bedachte, sichern ihm ein bleibendes Andenken. Seine schwächliche Körperkonstitution und die Ahnung eines frühen Todes bewogen ihn, von der Wahl einer Lebensgefährtin abzustehen. Im Alter von 37 Jahren verschied er in Bautzen am 4. Mai 1812 an der Brustwassersucht.  Laut testamentarischer Verfügung wurde seine Leiche nach Neukirch überführt und, ohne öffentlich ausgestellt zu werden, in der Gruft seiner Ahnen beigesetzt.  Neben dem Bildnis des ersten Huldenberg auf Neukirch birgt eine Wandnische seitlich des Altars der Kirche auch seine Büste. Die einfache Grabschrift aber lautet:

 

„Gottlob Erasmus Kurt Freiherr von Huldenberg

auf Neukirch, Landesältester des Bautzner Kreises,

geb. d. 17. Juni 1775, entschlafen d. 4. Mai 1812,

der letzte seines Stammes.

Einfach und wahr als Mensch, gläubig und demüthig als Christ,

ausgezeichnet im Amt als Staatsdiener, unbeschreiblich theuer

dem Herzen seiner Schwester und Freunde.“

 

Ein Auszug aus dem Buch: Georg Pilk "Die Geschichte Neukirchs", erschienen im Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger 2005