Erinnerungen zum Schloss in Neukirch

 

(von uns immer nur Herrenhaus bzw. Rittergut genannt, die Bezeichnung „Schloß“ war nicht üblich)

 

In meiner Kindheit, Jahrgang 1918, wohnte im Schloss Gendarm Böhme; sein Sohn Günther war nach unserer Einschulung Ostern 1925 in meiner Klasse, Klassenleiter Erich Zimmermann, in der Lessingschule, Schulleiter mein Vater Ernst Hermann Herwig, geb. Israel, Lehrer in Neukirch seit 1901, weitere Angaben an anderer Stelle.

 

Durch Günther Böhme habe ich mehrfach das Schloss besucht und war zu seinem Geburtstag eingeladen. Dabei haben wir im schönen  schattigen Park Spiele wie Topfschlagen, Sackhüpfen, Eierwettlauf gemacht – alles schöne Erinnerungen an meine Schulzeit in der Lessingschule 1925-1929, dann besuchte ich bis Ostern 1937 die Deutsche Oberschule Bischofswerda – inzwischen hatte sich durch den 30. Januar 1933 sehr viel zum Negativen verändert, und so folgte für mich nach 1937 mit Reichsarbeitsdienst und Wehrdienst ab 1939 6 Jahre Krieg...

 

Wie schön war meine Kindheit und Jugend in Neukirch bis 1933 gewesen!

 

Zum „Schloss“ hatte ich dann noch einmal Verbindung, als mit dem neuen Rittergutspächter seine Tochter Irma Pinkert in unsere Klasse kam und ich Benachrichtigungen zu überbringen hatte.

Irma Pinkert begegnete ich dann noch einmal, als unsere Schützen-Geschütz-Ersatz-Kompanie 4 nach einem Übungsmarsch in Neukirch Quartier nahm und abends zum Kompanieball ins Hofgericht einlud, dadurch wusste ich, dass sie noch 1942 Pächter waren.

 

Der Besitzer des Rittergutes mit Herrenhaus, Park, Teichen und Ländereien am Lämmerberg war Baron Oppen von Huldenberg, dessen Heimat viel mehr in seinen preußischen Besitzungen als im Neukircher Rittergut lag.

Ab und zu hieß es nur dann in Neukirch: Der Baron ist da, wenn er hier einen Besuch abstattete und dabei durchs Dorf ging, ein großer weißhaariger älterer Herr, wie ich ihn in meiner Erinnerung habe.

Dass er bei uns nicht so heimisch war wie in Preußen will ich nach meines Vaters Erzählung über den Schulneubau berichten:

Da der Baron als „Grundherr“ auch im Ausschuss der Gemeinde Mitspracherecht hatte, wollte er für den geplanten Schulneubau geltend machen und lehnte den vom Architekten aus Kötzschenbroda vorgelegten Bau mit dem Wort „so ein Schulpalast“ als nicht notwendig ab, die Neukircher aber wollten eine schöne Schule und das ist ja die Lessingschule als eine der schönsten Dorfschulen auch geworden. Die Nichtberücksichtigung seiner Einwände brachte er mit den Worten zum Ausdruck: In Preußen hätte man`s berücksichtigt – auch das lässt uns die Unterschiede im alten Kaiserreich erkennen, wie es übrigens auch die Stellung zur sorbischen Minderheit in diesen beiden Ländern erkennen lässt.

   

 

Hermann Karl Herwig, (geb. Israel)

geb. 8. 9. 1918 in Neukirch als 5. Kind von Ernst Hermann Herwig, (geb. Israel) und Bertha Auguste Herwig, geb. Zenker